Neues Album “Sehnsucht nach Liebe”

Monika Martin im Interview: “Jetzt geht’s erst so richtig los!”

Monika Martin im Interview: “Jetzt geht’s erst so richtig los!”

Neues Album “Sehnsucht nach Liebe”

Monika Martin im Interview: “Jetzt geht’s erst so richtig los!”

6. Oktober 2016

Monika Martin sprach im Interview mit der Schlagerblume über ihr neues Album “Sehnsucht nach Liebe”, ihre Midlife-Crisis und das neue Lebensgefühl, ihren Stilwandel, Spiritualität, Lady Gaga als Inspirationsquelle und vieles mehr.

Monika Martin ist eine der erfolgreichsten Volksmusik- und Schlagersängerinnen Österreichs. Mit ihrem letzten Album “Mit Dir” schlug die sonst eher für ihre stillen Lieder bekannte Sängerin neue Töne an. Auch auf ihrem aktuellen Album “Sehnsucht nach Liebe(hier bei Amazon bestellen) bleibt Monika Martin ihrer neuen, poppigeren Ausrichtung treu. Die Schlagerblume sprach im Interview mit Monika Martin über ihren neuen Stil, die neuen Lieder, ein ungewöhnliches Konzert-Experiment und vieles mehr.

Monika Martin - Sehnsucht nach Liebe.

Monika Martins neues Album “Sehnsucht nach Liebe”. Bild: Telamo

Schlagerblume: Was erwartet uns auf Deinem neuen Album “Sehnsucht nach Liebe”?

Monika Martin: Wenn man Monika Martin von Anfang an kennt, dann weiß man, dass ich eher die Vertreterin für die leisen Töne in der Musik bin. Aber zu meinem fünfzigsten Geburtstag hatte ich eine Midlife Crisis, die kurz war, mir aber doch zu schaffen machte. Ich hatte das Gefühl: Jetzt ist alles aus und vorbei – ich bin 50. Und diese Midlife Crisis hat etwas bewirkt in mir. Es gibt nie etwas Schlechtes, das nicht auch etwas Gutes hat. Diese Krise hat in mir bewirkt, dass ich mir gesagt habe: Jetzt geht’s erst so richtig los!

Wie kam es dazu?

Wer mich privat kennt, weiß, dass ich schon immer ein sehr lustiger, lebensfroher Mensch bin, nur in der Musik hat man mich, vielleicht wegen der zarten Stimme, meist im ruhigeren Genre eingeordnet. Aber in Wahrheit hat die zweite Seite der Monika Martin in mir drin immer gehungert. Und es hat alles im Leben zwei Seiten, nach dem Tag kommt die Nacht und nach dem Einatmen das Ausatmen. Insofern ist es für mich als Schlagersängerin wichtig, auch beide Seiten zu leben. Ich habe mir jetzt nicht befohlen, flott zu werden, sondern das ist aus einem Lebensgefühl heraus entstanden. Schon mit dem Vorgängeralbum “Mit Dir” habe ich den Grundstein für diese flottere Seite gelegt.

Ich habe ja schon zu Beginn meiner Karriere vor 20 Jahren Lieder geschrieben, wie zum Beispiel “Mein Engel bist du”. Das Lied kam erst 15 Jahre später heraus, weil mir mein Produzent empfohlen hat so einen schwungvollen Titel nicht aufzunehmen. “Nein”, hat er gesagt, “das passt nicht zu dir, sing lieber die ruhigen Lieder”. Seitdem ich mich jetzt selbst produziere ist das anders. Ich habe zum einen die Verantwortung, aber zum anderen habe ich auch die Möglichkeit, das zu machen, was mir genauso entspricht.

Es war natürlich ein gefährliches Unterfangen, weil ich mein Publikum, das mich schon 20 Jahre begleitet, nicht vor den Kopf stoßen will. Ich stehe zu allem, was ich gemacht habe. Die Lieder waren Schritte auf einem Weg, der mich zu dem geführt hat, was ich heute bin, und ich möchte keinen Schritt missen. Insofern erwarten uns auf dem neuen Album “Sehnsucht nach Liebe” viele Überraschungen. Der Haupttitel deutet scheinbar darauf hin, dass ich wieder stiller werde. Aber das ist ein großer Irrtum. Das Lied “Sehnsucht nach Liebe” geht im Text nämlich so weiter: “Sehnsucht nach Liebe, das kenn ich nicht, denn es ist Liebe, ich traf ja dich.” Es besingt eine glückliche Beziehung, die Schmetterlinge im Bauch, die jeder von uns kennt, wenn’s einen so richtig erwischt hat. Der Titel ist insofern authentisch mit dem, was man bisher unter Monika Martin verstanden hat, aber wenn man das Lied hört, kann man gar nicht mehr sitzen bleiben, sondern muss tanzen.

Monika Martin - Sehnsucht nach Liebe (offizielles Video)

Monika Martin – Sehnsucht nach Liebe (offizielles Video)

Hast Du Lieblingslieder auf dem Album?

Das erste Lied “Sehnsucht nach Liebe“ von den flotten Titeln und das letzte Lied “Sag mir alles” von den Baladen. Die beiden sind meine Lieblingslieder. Den Text zu “Sag mir alles” habe ich selbst geschrieben und das Lied erzählt davon dass, wenn man ein Problem hat, unglücklich ist, wenn einen etwas drückt, dass es ganz wichtig ist, sich einem Menschen seines Vertrauens zu öffnen. Dass man ihm diese Sache weiter erzählt und darüber spricht. Es ist nicht gut für die eigene Seele, Verletzungen unter den Teppich zu kehren und so zu tun, als wäre nichts und innerlich daran zu nagen. Man darf sich nicht wundern, dass es so viele Krebs-Erkrankungen gibt, wenn man seine Seele nicht schützt und aufräumt.

Es liegt in unserem eigenen Ermessen, hier die erste Gesundheitsvorsorge zu treffen, nämlich auf sich und auf seine Seele aufzupassen und wenn Verletzungen passieren, diese so schnell wie möglich wieder aufzuräumen und klarzustellen. „Sag mir alles“ ist diese Aufforderung dazu. Zwei flotte Titel liegen mir auch sehr am Herzen. “Bleib noch wach” plätschert eigentlich so dahin und ist aber ein totaler Ohrwurm. Das vierte meiner Lieblingslieder ist “Zwei Stunden Ewigkeit”, dessen Rhythmus mich direkt auf die Tanzfläche führt.

Lieblingslieder auf “Sehnsucht nach Liebe”

Mein Lieblingslied auf dem Album ist “Durch jeden Sturm”, ein wunderschöner Popsong. Kannst Du darüber vielleicht etwas erzählen?

Ich freue mich, dass ich es geschafft habe, auf einem weltlichen Album einen Titel drauf zu bekommen, der davon erzählt, dass der Herrgott uns behütet und wir alle einen Schutzengel haben. Wenn wir das Gespräch mit Gott aufnehmen, wird er uns durch jeden Sturm führen und uns helfen. Ich bin ein Mensch, der jeden Tag betet. Ich finde das ganz wichtig auszusprechen, als Person der Öffentlichkeit, denn es gibt viele Menschen die beten, es sich aber nicht getrauen zu sagen. Ich tue das aus vollster Überzeugung.

Man wird als Kind so erzogen und irgendwann wird man erwachsen und entscheidet selbst, was man beibehält und ich habe mich entschieden, das Beten beizubehalten, weil es mir gut tut. Weil ich es nicht als eine Selbstverständlichkeit ansehe, wenn ich morgens frisch und gesund aus dem Bett aufstehen und am Abend wieder in dieses zurückkehren darf. Das weiß man als junger Mensch nicht, das lernt man erst später zu schätzen. Insofern ist “Durch jeden Sturm” ein Lied mit religiösem Hintergrund, das flott und temperamentvoll ist. Wir haben das Video zu dem Lied in meiner Heimatkirche gedreht. Zu dem Album ist auch eine DVD entstanden, auf der ich sozusagen die musikalische Reiseleiterin durch meine Heimatstadt Graz bin. Es war mir ganz wichtig, dieses Glaubensbekenntnis hier einfließen zu lassen.

Ganz anders ist der Song “Sie” geraten, der klingt wie ein Popsong im Abba-Stil.

Sehr richtig, genau.

Wie ist so ein Lied mit einem ganz anderen Stil auf das Album gekommen?

Ich habe das Lied selbst komponiert, den Text hat Joachim Horn-Bernges geschrieben, einer der berühmtesten Textdichter unserer Zeit. Er hat mich auch gefragt: “Wer schreibt dir so ein Lied?” “Na ich”, habe ich gesagt. Weil das auch eine Facette von mir ist, und wenn ich sie nicht zeige, wird es niemand wissen. Manches mal ist einem danach, in diesem monotonen Disco-Rhythmus der Achtziger zu tanzen.

Monika Martin - Durch jeden Sturm (offizielles Video)

Monika Martin – Durch jeden Sturm (offizielles Video)

Du hast vorhin “Sag mir alles“ schon angesprochen. Dabei handelt es sich ja um einen Coversong. Du stöberst ja ganz gern in internationalen Gefilden nach neuen Songs und Ideen. Wie gehst Du dabei vor?

Die meiste Zeit dafür habe ich, wenn ich im Auto Radio höre. In Österreich habe ich meistens “Ö3” laufen, in Deutschland immer auch den internationelen Sender, nicht den regionalen. Ich orientiere mich an jenen, die in ihrer Modernität schon wesentlich weiter voraus sind, wie zum Beispiel Lady Gaga. Das glaubt mir aber selten einer. (lacht) Lady Gaga ist eine sehr innovative Künstlerin und ich habe von Ihr schon einige Anregungen zu eigenen Songs erhalten, zum Beispiel für “Angelo”. Ich bin sehr dankbar dafür. Ich gehe aber nicht nur in den Popbereich, sondern auch sehr gerne in die Klassik. Diese Komponisten, die haben schon gewusst, wie es geht und das studiere und zerlege ich, um den Aufbau zu verstehen. Ganz tolle Sachen werden einem da bewusst.

Welches sind denn Deine Lieblingsmusiker?

Madonna bewundere ich sehr, weil sie sich bei jeder CD neu erfindet. Lady Gaga hat immer wieder ganz neue Sounds auf Lager. Hinsichtlich ihres Outfits lasse ich mich allerdings nicht inspirieren. Aber ich verstehe, warum sie das getan hat. Weil sie einfach auffallen wollte, damit sie angehört wird. Es ist jedem selbst überlassen, wie weit er da geht. Ich höre natürlich auch gerne, was meine Kollegenschaft so macht und bin interessiert, was da Neues kommt und was man sich getraut. Für mich gibt es immer nur einen Grundsatz, der ist ganz einfach: Schön muss es sein. Es muss mich berühren und erreichen. Wenn es mich erreicht, dann hat das Lied auch die Chance, mein Publikum zu erreichen. Wenn ich selbst Gänsehaut bekomme, dann ist das schon einmal eine gute Voraussetzung.

Monika Martin: “…dennoch glaube ich an die Wiedergeburt”

In “Von Leben zu Leben” heißt es: “Wir werden immer neu geboren, von unserem Glück geht nichts verloren.” Glaubst Du an Wiedergeburten?

Ja, ich bin zwar Christin, aber dennoch glaube ich an die Wiedergeburt. Das eine schließt für mich das andere nicht aus. Ich denke, dass die Körper gehen und dass die Seele unsterblich ist. Unsere Seele war schon oftmals auf dieser Welt, immer in verschiedenen Körpern. Und die Seelen, die zusammengehören, die treffen sich immer wieder, insofern geht nichts verloren. Das ist auch meine Hoffnung und treibt mich voran, um wirklich den Weg auch vollen Herzens weitergehen zu können. Wenn es wirklich nach diesem Leben aus wäre, das wäre sowas von unlogisch. Alles ist im Kreislauf, wenn wir in die Natur schauen. Die Planeten, die Jahreszeiten, da bildet der Mensch gottseidank nicht die große Ausnahme.

Was bedeutet Dir diese spirituelle Welt?

Mir ist es wichtig, auf mich und meine Seele, meine Umwelt, meine Lieben Acht zu geben. Jedes Leben zu achten und verantwortungsvoll mit der Welt umzugehen. Ich sehe mich als Sängerin im Dienste des Menschen. Die Musik ist manches mal nur Beiwerk, damit das Kind einen Namen hat.

Monika Martin - Sehnsucht nach Liebe.

Monika Martin ist mittlerweile ihre eigene Produzentin und Songschreiberin. Bild: Stephan Pick / Telamo

Du hattest ja bereits von Deinem Imagewandel erzählt. Du hast die Produktion in Deine eigenen Hände genommen und schreibst Deine Songs selber. Wie waren Deine Erfahrungen damit?

Ich würde nicht sagen, dass ich einen Imagewandel gemacht habe. Ich bin noch immer die gleiche. Ich zieh jetzt nur keinen Hosenanzug mehr an, sondern goldene Jeans kombiniert mit einem Leoparden-T-Shirt. Nicht weil das vom Fasching übrig geblieben ist, sondern weil das meiner Lebensfreude entspricht. Dann ist es nicht aufgesetzt und deshalb funtioniert’s auch. Ein Imagewandel ist es nur dann,wenn einer flüchtig hinschaut und sagt: “Jetzt hat sie den Jugendwahn, weil sie vor vier Jahren Fünzig geworden ist.” Dann würde ich mich nicht richtig verstanden fühlen.

Ich habe noch immer die gleiche Stimme, die gleichen Gedanken, ich habe nur jetzt gelernt, meine Lebensfreude musikalisch auszudrücken. Und ich habe mich nicht mehr in das stille Eckchen stellen lassen, sondern mich emanzipiert in meiner Musik. Was jetzt herauskommt, war schon immer da, ich habe es nur nicht gezeigt und umgesetzt.

Also eher eine Art Imageanpassung an die richtige Monika?

Ja, genau. Ich habe bisher nur 50 Prozent von mir gezeigt und jetzt kommen die zweiten 50 Prozent dazu.

Welches Feedback hast Du von Deinen Fans bekommen?

Nach einem relativ lauten und heftigen Konzert mit meiner Band stand ich eines Abends am Autogrammstand und eine etwa 90-jährige Dame kam zu mir. Ich sagte zu ihr: Gnädige Frau, heute war es wohl ein bisschen laut. Da schaut sie mich an, stemmt die Arme in die Hüfte und sagt: “Nein warum, ich war ja auch mal jung? Das war super!” Sie hat mich noch bestärkt darin. Ich mache in den Konzerten eine musikalische Achterbahnfahrt, manches mal geht es richtig rund und dann kommt ein ganz stilles Lied, wie “Dich aber liebe ich”.

Und die Menschen fahren einfach mit in dieser Achterbahn und sind am Schluss völlig selig, weil sie in allen Facetten bedient worden sind. Mit der Band gab es in diesem Jahr zwei Testkonzerte, eines in Österreich, eines in Deutschland, die sehr gut ankamen. Das war die Bestätigung dafür, dass ich hier weitermachen möchte. Im nächsten Jahr gibt es dann eine Tour durch Österreich und eine Solo-Tour durch Deutschland.

Gibt es weitere Pläne für die Zukunft?

Ich lass mir ja immer wieder was einfallen, das liebe ich ja an diesem Beruf, dass es so abwechslungsreich ist. Mir ist auf Facebook aufgefallen, dass manche Menschen mir schreiben oder auch am Autogrammstand sagen, dass meine Konzerte nicht immer in ihrer Nähe sind und sie immer so weit fahren müssen oder überhaupt nicht kommen können. Das habe ich mir zu Herzen genommen und am 14. Oktober einen live Auftritt im Internet geplant. Ich mache ein Live-Konzert, ohne Publikum, werde moderieren, Geschichten erzählen, Bilder zeigen und Lieder singen, die ich sonst bei Auftritten nicht oder nur selten von mir gebe.

Die Zuschauer können mir auch per Mail Fragen stellen, die ich nach der 100 minütigen Sendung live beantworten werde. Das ist natürlich ein Experiment. Ich bin am Anfang belächelt worden, aber es findet schon recht großen Zuspruch. Nähere Infos gibt es dazu auf meiner Homepage, dort kann man sich für 17 Euro einen Zugangscode beschaffen und sich dazu schalten. Und jeder der einen Computer hat und Youtube anschauen kann, hat ein Gerät, das dafür tauglich ist. Das ist ganz etwas Neues in unserem Genre und ich bin schon gespannt, wie es sein wird.

Liebe Monika, wir danken Dir für das Gespräch!

Infos zur Tournee von Monika Martin und Tickets erhaltet Ihr hier auf Eventim.

Mehr Musik von Monika Martin gibt’s hier:

pk