Neues Album “Sieben Leben für dich”

Maite Kelly im Interview: “Ehre die Vergangenheit und schau in die Zukunft”

Maite Kelly im Interview: “Ehre die Vergangenheit und schau in die Zukunft”

Neues Album “Sieben Leben für dich”

Maite Kelly im Interview: “Ehre die Vergangenheit und schau in die Zukunft”

13. Oktober 2016

Maite Kelly veröffentlicht mit “Sieben Leben für dich” ihr neues Album. Der Schlagerblume berichtete die Sängerin, Autorin und dreifache Mutter im Interview von dem spannenden Entstehungsprozess des Albums, warum sie erst jetzt ein Lied für ihren Vater schreiben konnte, was sie von Roland Kaiser gelernt hat und noch vieles mehr.

Maite Kellys neues Album “Sieben Leben für dich(hier bei Amazon bestellen!) ist nach der Zeit mit der Kelly Family ihr viertes Solo-Album. Mit Roland Kaiser und dem Duett “Warum hast du nicht nein gesagt” landete die 36-Jährige nach “Atemlos” von Helene Fischer den größten Schlager-Hit der letzen Jahre. Nun hat sich Maite Kelly ganz dem Schlager hingegeben: “Roland Kaiser hat mir da eine Welt eröffnet, die ich bisher kaum erahnt habe… ich liebe… ach was, ich bin Schlager!” Über Maite Kellys neues Album, die neuen Songs, die Hummel Bommel und vieles mehr sprach die Schlagerblume im Interview mit der Sängerin:

Maite Kelly - Sieben Leben für dich.

Maite Kellys neues Album “Sieben Leben für dich” erscheint am 14. Oktober 2014. Bild: Electrola / Universal Music

Schlagerblume: Wann hast Du angefangen, Deine Lieder auf deutsch zu schreiben?

Maite Kelly: Vor sechs Jahren. Mit Frank Ramon habe ich das erste Album “Das volle Programm” lanciert. Das war eigentlich schon mein Eintritt in den Schlager. Und auf “Wie ich bin” habe ich eher Country-Schlager-Pop geschrieben. Das was ich jetzt auf “Sieben Leben für dich” mache ist eigentlich folkloristischer. Ich greife mehr auf die Folklore zurück, die ich zu Kelly-Zeiten geschrieben habe, auf große Melodien. Es ist nur mehr eingebettet in moderne Beats. Das heißt, ich habe mich wenn es um die Beats geht mehr dem Pop zugewandt, also Sugarpop, aber die Melodien sind viel mehr mit der Folklore meiner Kindheit verbunden. Deswegen habe ich gesagt, das Album ist “honoring the past and looking into the future”. Es ist das Album, das am meisten meine ganze musikalische Vergangenheit und meine zukünftige musikalische Richtung am meisten auf den Punkt gebracht hat.

Das ist dann ja ein ziemlicher Riesenbogen.

Wenn man sich die Melodie von “Sieben Leben für dich” anhört, das ist eine venezianische Akkordeon-Melodie. Mit den Kellys hat unser Vater uns mit Absicht oft nach Venedig gebracht. Weil da so viel Musik war. Jetzt ist das eine Touristenstadt, früher war da viel Musik, viel Kunst, viel Poesie. Mein Vater hat Venedig geliebt. Und mich hat Venedig als junges Mädchen total geprägt – allein die Architektur, die ganze Poesie in dieser Stadt.

Das heißt, „Sieben Leben für dich“ ist gar nicht so sehr Dein erstes Schlageralbum, sondern wirklich ein großer neuer Rahmen.

Es ist eher, dass alles zusammenkommt. Es ist zwar ein neues musikalisches Kapitel, aber es ist das gleiche Buch. Roland Kaiser war für mich vielleicht so was wie ein Lesezeichen. Der hat wirklich etwas ausgelöst, was ich in mir drin hatte. Als ich für ihn schrieb, kam das so herausgeflutscht. Ich wusste gar nicht, dass ich das so drauf hab! Zu mir sagte ich: Ich will Hits schreiben, und ich möchte große Melodien mit knackigen Sätzen verbinden. So bin ich an Roland Kaisers Songs ran gegangen und habe mir überlegt, was will ich sagen, dass das Lebensgefühl von jedem Menschen greifbar macht. Nicht nur bei mir bleiben, ich möchte die Menschen erreichen, denen was mitgeben, das Kraft gibt, Freude und Hoffnung und Trost.

Maite Kelly - Sieben Leben für dich [Offizielles Video]

Maite Kelly – Sieben Leben für dich [Offizielles Video]

Wie bist du an das Album herangegangen?

Meine Philosophie war “Honor the past, look into the future”. Also: ehre die Vergangenheit, die großen Entertainer, die großen Songschreiber, und schau in die Zukunft. Das war die Philosophie meines Vaters, wie man an Musik herangeht. Und deshalb war der erste Produzent, mit dem ich die Songs geschrieben habe Peter Wagner, der bereits alle Großen produziert hat, wie Udo Jürgens, Marianne Rosenberg, Peter Maffay und auch Roland Kaiser. “Touche moi” war der erste Song, den wir zusammen geschrieben haben.Ich wollte auch mit Johann Daansen arbeiten. Er hat für uns Kellys die großen Hits geschrieben. Er hat auch für Boney M., Helene Fischer und Andrea Berg gearbeitet. Und er kannte mich schon als Kind. Er hat mir die großen Hits arrangiert, “Roses of Red” und “Every Baby” Ich hab ihn durch Zufall wiedergefunden, das war Schicksal. Wir haben uns an einem sehr schönen Ort getroffen und einfach geschrieben. Er hat mir einfach Raum gegeben, dass ich spielen konnte. Manchmal haben wir bis zu neun oder zehn Ideen am Tag entwickelt. Und wenn wir dann dachten, “Boah das ist was”, dann haben wir das ausgearbeitet.

Waren das die Sessions in dem Düsseldorfer Hotel?

Ja, genau. In einem Hotel am Rheinufer, in einem Konferenzraum, der hieß “Beethoven”. Wir kamen da an und wussten, dieser Raum ist unser Raum. Zwischendurch konnten wir immer mal auf den Rhein gucken, das war wirklich toll. Mit Felix Gauder, dem Produzenten von Wolkenfrei und Vanessa Mai, habe ich mich auch getroffen. Ich wollte mit sehr modernen Beats arbeiten. Der erste Song war tatsächlich ein Song, der nicht auf dem Album ist. Dann kam “Jetzt oder nie”, das war für uns der Song, bei dem wir gemerkt haben, das ist unser Sound. Und der Song danach war “Sieben Leben für dich” und dann wusste wir, okay wir werden richtig warm. In einer Viertelstunde stand der Text, aber wir haben am Tag vorher gelitten. Es war eine Wahnsinnssuche nach dem passenden Text. Wir haben es einfach nicht knacken können. Dann hab ich zu unserem Texter Olaf Bossi gesagt: “Olaf, nein, der Vers ist es nicht. Das Thema ist Zocken, wir zocken um die Liebe.” Und dann haben wir alles umgeschmissen und auf einmal in einer Viertelstunde, zack, zack, zack – “Zocken, ich setz mein Herz. Ja super! Und der Refrain? Rien ne va plus!”

Wie kam die Arbeit mit Felix Gauder zustande?

Johann Dansen hatte mir schon von ihm erzählt, ich wusste aber nicht, dass er der Produzent von Wolkenfrei ist. Ich wollte nur wissen, wer das ist und dann bin ich einfach vorbei gekommen. Er und sein Team, wir waren wie so eine Bande, wir haben die Welt draußen gelassen, wir haben nur crazy Dinge gemacht, und daraus entstanden diese Lieder. Mit Peter Wagner war es auch eine ganz tolle Erfahrung. Ich bin ein Donna-Summer-Fan und habe mit ihm diesen Stil verfolgt. Somit wollte ich mit diesen zwei Elementen spielen. Mit Peter Wagner zu “Honor the past” und mit Felix, einer neuen Generation von Schlagerproduzenten, wo man sagen kann, das ist “the future”.

Maite Kelly und ihr Ehemann Florent Raimond.

Maite Kelly und ihr Ehemann Florent Raimond. Bild: facebook.com / MaiteKelly

Was sich schön verbindet auf dem Album, da kommt ja auch so ein bisschen was Jennifer-Rush-mäßiges dazu?

Ja, es war diese Zeit, aber das sind natürlich meine Einflüsse. Fleetwood Mac oder auch Al Bano und Romina Power, das sind wichtige Elemente aus der Kindheit, die mein Schlagerdasein geprägt haben. Das spürt man glaube ich auch, das ist ja nicht nur so eine zusammengeklatschte Sache. Ich wollte nicht nur ein Album machen mit Boom Boom Boom. Klar, ich möchte auch, dass die Menschen auf den Hochzeiten dazu tanzen, aber ich möchte auch, dass sie zu den Konzerten kommen und eine Achterbahn der Gefühle und Emotionen durchleben.

Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?

Es gibt natürlich gewisse Lieder, die für mich sehr mutig waren. “Touche moi” zu schreiben war sehr mutig. Den Text habe ich zu 100 Prozent geschrieben und der ist sehr mutig.

In wiefern?

“Du flüsterst mit Französisch zu und ich gehorche”, das ist schon ein mutiger Satz, das ist Sinnlichkeit pur. Der Satz ist schon sehr intim. Als öffentlicher Mensch… Wenn keiner weiß, wer’s geschrieben hat, dann ist es egal, aber wenn die Leute wissen, wer’s geschrieben hat? Ich glaube, mit 25 hätte ich mich nicht getraut, solche Sätze auch nach außen zu tragen. Mit 37 ist man erwachsen und man kann und sollte auch über das Gefühl der Sinnlichkeit singen, damit die Frau oder der Mann der das hört, das leben kann für sich. Wir Künstler sind ja dafür da, um Gefühle, Emotionen lebendig zu machen. Das Pathos, das wir alle in uns haben. Das sinnliche, sexuelle Pathos, Trauerpathos, Wut, alles was in den Gefühlen wohnt. Dafür ist die Musik da, damit man nicht das Gefühl hat, alleine zu sein mit diesen Dramen. So schön wie die Dramen auch sind, es sind Dramen.

Du hast auch einen Song für Deinen Vater geschrieben, “Größer als das Leben”. Wie kam es zu dem Song?

Ich habe meinen Vater mit 22 verloren. Er war alles für mich. Ich glaube, weil ich jetzt Wurzeln schlagen konnte, beruflich wie privat, bin ich gesettled, hab einen Weg gefunden. So hatte ich die Kraft ihm eine riesige fette Dankesumarmung zu geben. Ich habe es bislang nicht schaffen können, noch nicht Frieden schließen können, weil ich noch nicht meinen Frieden gefunden hatte. Es war ein Riesenumweg! Ich habe gespürt, jetzt stehe ich mitten im Leben. Ich bin angewurzelt, ich bin erwachsen und habe keine Angst mehr. Und deshalb kann ich ihm als erwachsene, gestandene Frau sagen: “Deine Liebe war größer als das Leben. Ich verstehe jetzt, was du durchgemacht hast, und wie stark du warst, dass du dich nicht verbittern hast lassen. Und ich verstehe auch was für Stürme du hinter dir hast, weil die hatte ich auch. Ich muss dir nicht verzeihen, ich hätte es wahrscheinlich genauso gemacht.”

Ich wollte ihm ein Stück weit Ehre erweisen, ohne dabei überzuckert zu werden. Mein Vater war unfassbar mutig. Mit zwölf Kindern – das war sehr mutig! Es hatte seine Schattenseiten, aber es hatte auch was unsagbar Schönes. Diese Schönheit, die er mir weitergeben konnte in meinem Leben, das wollte ich gerne zum Ausdruck bringen.

Er war unfassbar pathetisch, ein Riesen-Herzmensch. Und das ist das tolle, er war intensiv, und der war verliebt in Kultur, verliebt in Musik, verliebt in Poesie. Er hat alles gemacht, damit wir das alles erleben durften. Ich durfte dank der Reisen als Kind in spanischen Bars den Flamenco erleben, in Italien in Venedig durfte ich den Karneval sehen, oder in Frankreich die großen Chansonniers. Das ist Kultur pur. Und das ist das, was zwischen den Zeilen in allem was ich tue auch zu spüren ist. Das kann keine Schule bieten. Das kommt einfach aus dem Gelebten, da bin ich unsagbar dankbar für.

Roland Kaiser - Warum hast du nicht nein gesagt (feat. Maite Kelly)

Roland Kaiser – Warum hast du nicht nein gesagt (feat. Maite Kelly)

Was bedeuten Dir Schlager persönlich? Hast du Vorbilder?

Céline Dion ist für mich Schlager mit ähnlichen Texten, Romina Power ist Schlager, Andreas Bourani, Xavier Naidoo. Es gibt auch Texte von den Toten Hosen, da brauchst du nur ein anderes Playback und es ist Schlager! Ein großer Schlager hat Ähnlichkeit mit Kinderliedern. Jeder Satz sitzt so, dass man Räume schafft, so dass der Mensch der zuhört, für sich die Räume füllen kann.

Sind Schlager Kinderlieder für große Kinder?

Ein guter Kindersong ist sehr intelligent und nimmt den Menschen ernst, ohne ihn zu ersticken, ohne ihn zu überfordern. Er hat Wärme. Und ich glaub guter Schlager beinhaltet all das, aber ich würde nicht sagen, dass das Kinderlieder sind. “Es war noch nie so schön” ist ein sehr erotisches Thema. Wenn man denkt, jemand wie du der ist gefährlich, der ist nicht ehrlich, hilfe, an dir kann ich mich verbrennen. Das sind so Gedankenwege, das sind ganz rohe Gefühle. Es ist wichtig, dass man ein Lied hat, damit man diese Gefühle, diese Emotionen formuliert, damit man nicht allein ist damit. Aber das ist kein Kindersong, das ist ein sehr eindeutiges Thema. Das ist ein Kuddelmuddel, eine Gefühlswelt für Erwachsene, wo man sich vielleicht etwas verloren fühlt wie ein Kind, aber es ist ein sehr ernstzunehmendes Thema.

Hast Du viel von Roland Kaiser gelernt?

Er ist der große Mentor meiner zweiten musikalischen Karriere. Vor drei Jahren war meine Plattenfirma insolvent und ich habe gedacht, es wird musikalisch nicht weitergehen. Und er hat sich mir anvertraut, ich habe angefangen für ihn Lieder zu schreiben. Er ist wirklich der Grund, warum ich musikalisch wieder durchstarten konnte und in mir was entdeckt habe, was eigentlich schon immer da war, ohne dass ich es gesehen habe. Roland ist jemand, da denkt man schnell, “Ach das ist so ein Womanizer”. Aber er ist einer intelligentesten, tiefgründigsten Menschen, die ich kenne. Viele verkaufen sich für tiefgründige Menschen auf der Bühne, und hinten sind sie so oberflächlich. Er ist wirklich das genaue Gegenteil. Das gefällt mir, so will ich auch sein. Ein großer Mensch auf der Bühne, aber privat noch größer.

Maite Kelly - Das große Fest der Besten

Maite Kelly und die Hummel Bommel in Florian Silbereisens “Das große Fest der Besten” Anfang 2016 Bild: ARD/MDR/Dominik Beckmann

Mal ganz was anderes: Du bist nicht nur Sängerin, Du bist Buchautorin, Du bist Mutter, Ehefrau, und Du bist immer verdammt gut drauf! Wie machst Du das?

Warum ich immer gut drauf bin? Ich glaube weil ich das tue was ich liebe und ich bin dankbar. Das heißt nicht, dass ich manchmal nicht müde und K.O. bin oder traurig und verletzt. Ich hab viele Neins bekommen in meinem Leben, viele Türen, die sich geschlossen haben. Aber immer wieder sind die richtigen aufgegangen und ich bin unfassbar dankbar, dass ich das machen darf, was ich liebe. Und die Liebe macht mir alles möglich.

Kommt dieses Jahr noch etwas Neues von der Hummel Bommel?

Ja, es kommt ein Weihnachtsbuch, und im Januar treffen wir uns und arbeiten an dem dritten Buch. Wir haben auch schon einen Song für Ostern und es kommt jetzt auch viel Merchandise. Es kommt ein Kalender, die Kuschelhummel, ein Hummel-Kuscheltier. Tolle Sachen. Wir sind auch schon in fünf Länder übersetzt. Die Kinderalben bringe ich sowieso im eigenen Vertrieb heraus, das hat sein Eigenleben, da gehe ich im Januar wieder ins Studio. Wenn ich Kinderlieder mache, bleibe ich im Fluss.

Gibt es irgendwann möglicherweise nochmal eine Reunion der ganzen Kelly Family Geschwister?

Sag niemals nie, aber wenn, dann muss man es richtig machen. Mein Vater war die treibende Kraft, der Visionär, ohne Vision geht gar nichts. Ich glaube schon, dass es möglich ist, aber es wäre schade, wenn man es nicht richtig macht. Wenn man es nur so halb macht. Wenn das Herzblut fehlt. Die Leute sind nicht doof, das Publikum ist nicht doof. Sie merken, ob es authentisch ist oder nicht. Und wenn es authentisch ist, ist es mit Herz.

Wenn du einen Tag zu Deiner absolut freien Verfügung hättest, was würdest Du machen? Geld spielt keine Rolle, Du kannst machen was du willst.

Kaffee und Kuchen mit meinen besten Freunden, mit ziemlich teurem Champagner. (lacht) Ja! Und gutem Käse. Gutes Essen, gute Freunde unter einem Baum und wenn die Sonne hergeholt werden muss, dann bezahl ich das Geld für die Sonne. Geschichten erzählen und abends noch ein Lagerfeuer.

Liebe Maite, wir danken Dir herzlich für das Gespräch!

Mehr Musik von Maite Kelly gibt’s hier:

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