Neues Album “Frauenherzen”

Claudia Jung im Interview: “Frauen sprechen eine andere Sprache als Männer”

Claudia Jung im Interview: “Frauen sprechen eine andere Sprache als Männer”

Neues Album “Frauenherzen”

Claudia Jung im Interview: “Frauen sprechen eine andere Sprache als Männer”

12. Juli 2016

Claudia Jung, die Grande Dame des deutschen Schlagers, sprach im Interview mit der Schlagerblume über ihr neues Album “Frauenherzen”, aber auch über Männerherzen, andere Gefühle, Berauschtheit und Gelassenheit durch Erfahrung und vieles mehr.

Seit ihrem Debüt 1988 bereichert Claudia Jung den deutschen Schlager mit viel Charme, Witz und tollen Songs: “Weil ich tausend Frauen bin”, “Lass mich doch nochmal” oder “Lass uns noch einmal lügen”. Am 8. Juli ist mit “Frauenherzen” das brandneue Album der 52-Jährigen erschienen. Hier könnt Ihr das Album auf Amazon bestellen! Die Schlagerblume sprach mit einer bestens aufgelegten Claudia Jung über das Album und noch vieles mehr:

Claudia Jung - Frauenherzen.

Claudia Jungs neues Album “Frauenherzen” ist am 8. Juli erschienen. Bild: Susanne Sigl/Electrola

Schlagerblume: Am 8. Juli erscheint Dein neues Album “Frauenherzen”. Wie seid Ihr auf den Titel gekommen?

Claudia Jung: Das kam, weil es einen Song auf dem Album gibt, der so heißt. Das war so aber ursprünglich gar nicht geplant. Wir hatten das Album schon fast fertig produziert und dann kam „Frauenherzen“ noch dazu. Der Song hat mir sehr gut gefallen und auch der Titel als solches für das ganze Album. Man sucht ja auch nach etwas, bei dem man einen Gesprächsaufhänger hat, nachher für die Interviews (lacht).

In dem Song geht es ja auch darum, wie Frauenherzen so ticken. Wie ticken Frauenherzen denn so?

Anders. (lacht). Mario Barth würde sagen, man braucht ein Lexikon. Frauen sprechen eine andere Sprache als Männer. Es ist ja in der Tat so, dass Frauenherzen anders schlagen, die haben eine höhere Herzfrequenz als Männer. Ich sag mal so, Frauen interessieren sich für andere Dinge, können sich für andere Sachen begeistern, gehen die Dinge oft anders an als Männer das machen würden. Es ist eigentlich durchweg so, dass Frauen vollkommen verschieden sind.

Würdest Du sagen, dass Frauen mit mehr Gefühl an die Dinge herangehen?

Eher mit anderen Gefühlen. Das geht ja von Kindesbeinen an schon los, Jungs spielen lieber mit Autos und begeistern sich für andere Dinge als Mädels, die eher zu den Puppen greifen. Und so zieht sich das durch das ganze Leben.

Aber Männer dürfen “Frauenherzen” auch hören? Also das Album jetzt.

Ich bitte darum.

Claudia Jung - Alles was Du willst (Offizielles Video)

Claudia Jung – Alles was Du willst (Offizielles Video)

Hast Du Lieblingssongs auf dem Album?

Das ist situationsabhängig. Es gibt Momente, da stehe ich mehr auf die Balladen, die nachdenklicheren Sachen und in anderen Momenten, da will man sich seinen Stress und Frust eher von der Seele tanzen, dazu passen flotte Sachen natürlich viel besser.

Eine Zeile aus “Alles was Du willst” ist mir besonders aufgefallen: “Im Kopf bin ich klar und fühl‘ mich doch wie im Rausch / Ein Lebensgefühl, das ich um keinen Preis tausch‘.” Ist das auch Dein Lebensgefühl?

Es trifft den Nagel in vielen Situationen auf den Kopf. Wenn man etwas findet, wovon man begeistert ist, wofür man brennt, oder an das man glaubt, für das man sich einsetzt, dann ist das dieses Gefühl: eigentlich schon klar im Kopf, aber dennoch berauscht. Etwas, das einem Energie und Power bringt. Aber das ist nichts, was man gezielt beeinflussen oder beschließen kann. Entweder es kommt oder es kommt nicht. Wichtig ist, Dinge auf sich zukommen zu lassen und den Moment anzunehmen.

Auf dem ganzen Album kommt so eine Offenheit und Leichtigkeit rüber, die Dinge des Lebens einfach zu genießen. Gibt es ein Rezept für diese Unbeschwertheit?

Nee, natürlich nicht. Es ist ja auch sehr viel von äußeren Einflüssen abhängig. Aber dennoch finde ich, dass man ein Stück weit selber verantwortlich ist, für das, was man aus seinem Leben macht. Gewisse Dinge passieren halt und die muss man so hinnehmen und das Beste daraus machen. Nach dem Motto: Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Zitronenlimonade daraus. Es gehört auch dazu, keine Angst vor Veränderungen zu haben und die Dinge anzugehen. Vielleicht ist das auch eine Gelassenheit, die man über die Jahre aus einer gewissen Lebenserfahrung entwickelt, so dass man einfach gewisse Dinge so nimmt wie sie sind, und versucht, damit zu arbeiten. Es gibt Situationen, die hätten mich früher mit 25 schier zur Verzweiflung und zum Ausflippen gebracht, die mir heute höchstens noch ein leichtes Schnauben entlocken. Erfahrung macht einen gelassener.

Wir leben ja in politisch bewegten Zeiten. Hast Du Dir schon manchmal überlegt, wieder in die Politik zurück zu kehren?

Nein, auf gar keinen Fall. Es gibt einige soziale Projekte für die ich mich einsetze, aber deswegen muss ich mich nicht politisch engagieren. Im Gegenteil, man kann mehr Türen öffnen, wenn man nicht den Parteistempel auf der Stirn hat. Viele Politiker haben ja ein Problem damit, etwas für jemand anderen zu ermöglichen, ohne dass sie selbst oder ihre Partei einen Nutzen davon haben. Von daher kommt man wirklich weiter, wenn man diese politischen Angelegenheiten nicht so verfolgt.

Claudia Jung.

Claudia Jung: “Erfahrung macht einen gelassener.” Bild: Susanne Sigl

Wie wichtig sind Dir solche sozialen Projekte, wie etwa der “Paulihof”, der tiergestützte Therapien für traumatisierte Kinder und Jugendliche in München ermöglicht?

Die waren mir von jeher immer sehr wichtig. Ich finde, Menschen, denen es gut geht, haben Verantwortung dafür, anderen Menschen zu helfen, die nicht so auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Das ist mir wirklich ein Bedürfnis aus dem Inneren heraus, da etwas zu machen.

Bei “Frauenherzen” sind mit deinen Produzenten Joachim Radloff und Hans Singer und Deiner Textdichtern Edith Jeske ja auch wieder einige Namen mitbeteiligt, mit denen Du schon eine Weile zusammenarbeitest. Ist das schon so ein eingespieltes Team?

Es kommen schon immer auch wieder neue dazu, aber wir sind schon ein ziemlich gutes Team. Gerade was die Textthematik mit Edith angeht, die tickt ähnlich wie ich, sie spricht eine ähnliche Sprache, sie versteht einfach, was ich von ihr will. Wenn ich die Idee für einen Song im Kopf habe, dann kann ich ihr das kurz erklären und dann kommt genau das, was ich mir wünsche – das finde ich schon genial. Manchmal hat man mit ein paar Leuten einfach so eine Phase, so einen Lauf. Genauso gut kann es dann aber auch wieder an einen Punkt kommen, wo das dann ein bisschen erschöpft ist und es andere leichter haben, da mit hinein zu kommen. Mir ist es immer sehr wichtig, offen zu bleiben und nicht von vornherein alles festzulegen, sondern äußere Einflüsse einfach zuzulassen, weil sich das gegenseitig befruchtet und jeder ganz andere Ideen mitbringt.

Gab es Themen, die Dir auf dem Album oder bei bestimmten Songs besonders wichtig waren?

Nein. Ich bin ja keine Protestsängerin oder so etwas. Mit Schlagern verkauft man ja in erster Linie Gefühle, das muss transportiert werden, keine politischen Botschaften, ich finde, das hat da nichts zu suchen.

Ist eine Tour zum Album geplant?

Noch nicht. Ab Januar bin ich aber mit Stefan Mross und seiner “Immer wieder sonntags”-Tournee unterwegs.

Liebe Claudia, wir danken Dir für das Gespräch!

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pk